Vor über fünf Jahren hat Rebekka Stutzman zusammen mit ihrem Ehemann David im Mannheimer Stadtteil Schönau das Begegnungszentrum „Die Villa“ gegründet. Die Villa ist ein wichtiger Anlaufpunkt für Gesellschaft, unterstützende Gespräche, Seelsorge und Speisen auf Spendenbasis. Ein Kernelement ist die monatlich stattfindende Tischgemeinschaft. Das bedeutet: gemeinsam Kaffee und Kuchen genießen, eine kurze Andacht feiern und anschließend in Gemeinschaft am Tisch sitzen. Jeder bringt etwas Leckeres mit, wir brechen miteinander das Brot und am Ende gehen alle mit einem Segen nach Hause.
Kurz gesagt: Wir nehmen uns Zeit. Zeit, innezuhalten, miteinander zu sprechen, uns auf das Wesentliche zu besinnen.
Ein zentrales Element der Andacht sind die interaktiven Gespräche am Tisch. Hier werden Fragen zum jeweiligen Tagesthema besprochen und jeder darf offen teilen, was das eigene Leben prägt.
Das Besondere? Die Besucher könnten unterschiedlicher nicht sein. Durch die offene Herangehensweise spricht das Angebot nicht nur fest verwurzelte Gläubige an, sondern auch Menschen, in deren Leben der Glauben lange Zeit keine Rolle gespielt hat. Neben Mennoniten nehmen auch Katholiken oder Menschen, die keiner Konfession angehören, an der Tischgemeinschaft teil. Manche kommen anfangs, weil sie die Gemeinschaft schätzen, wollen dann aber mehr von Gott hören. Der ökumenische Ansatz baut Brücken, öffnet Räume für Begegnung und führt uns alle an einen gemeinsamen Tisch.
Ein schwerer Abschied
Nach vielen Jahren im Missionsdienst ziehen wir in die USA. Nächsten Sommer beginnen wir den nächsten Abschnitt unseres Lebens in der Nähe meiner Familie in Harrisonburg, Virginia, wo ich aufgewachsen bin. Es war keine leichte Entscheidung, wegzugehen; wir haben unsere Kinder großgezogen, unser Zuhause in Deutschland aufgebaut und über 14 Jahre in der deutschen Mennonitengemeinde gedient. Wir gehen mit Dankbarkeit. Wir hatten viele wunderbare Möglichkeiten, in Gemeinde und Mission zu dienen und gemeinsam mit so vielen Glaubensgeschwistern zu arbeiten. Ich freue mich darauf, was Gott für uns bereithält – und besonders darauf, in meine Heimatstadt zurückzukehren, da ich fast 25 Jahre nicht mehr in der Nähe meiner Familie gelebt habe. Es wird schwer sein, wegzugehen, aber wir gehen gesegnet und dankbar für unsere Zeit in Deutschland.
Dave Stutzman
Wie es weiter geht
Wir – Leyla und Tobias Langauf – haben die große Ehre, in die Fußstapfen der Stutzmans zu treten und die Emmaus-Weggemeinschaft in Mannheim weiterzuführen. Wir sind seit sechs Jahren verheiratet und besuchen derzeit eine freikirchlich-evangelische Gemeinde. Doch das war nicht immer so:
Tobias ist katholisch aufgewachsen, hat sich in seiner rebellischen Jugend jedoch vom Glauben entfernt. 20 Jahre und eine Depression später wurde ihm klar, dass es im Leben einen höheren Sinn geben muss. Die Suche nach Gott begann. Leyla ist sekular aufgewachsen und wollte anfangs lediglich eine unterstützende Ehefrau sein. Was mit einem einmalig geplanten Kirchenbesuch 2023 begann, führte schließlich zu Leylas Taufe durch David Stutzman im Sommer 2025.
Mennonitische Verbindungen bestehen seit dem ersten Treffen mit David Stutzman und Matthias Bergmann in einer offenen Gesprächsrunde (Ästuar). Seitdem ist ein enger Austausch und eine Freundschaft entstanden, aus der auch Besuche in der Mennonitischen Gemeinde Kohlhof resultierten.
Seit fast zwei Jahren nehmen wir nun an der Tischgemeinschaft teil und gestalten diese aktiv durch Musik oder Andachten mit. Im September 2025 hatten wir die Möglichkeit, die Tischgemeinschaft im Rahmen der Mitgliederversammlung des Verbandes auf dem Thomashof vorzustellen und Tobias nimmt am aktuellen Predigtkurs der Mennonitischen Akademie teil.
Was wir erleben
Wir sehen immer wieder, wie viel Gutes bei der Tischgemeinschaft geschieht. Wir erleben, wie Gott wirkt und direkt vor unseren Augen Wunder tut. Ein junger Mann mit Sozialphobie, der nun wieder mitten unter uns sitzen kann. Eine ältere Frau, die sagt: „Ich habe hier wieder zu Gott gefunden.“. Und das wollen wir weitertragen. Durch die Weggemeinschaft haben wir Gefährten gefunden – Menschen, mit denen wir unseren Lebensweg teilen möchten. Und wir wünschen uns, auch selbst Wegbegleiter für andere zu sein.
Tobias und Leyla Langauf
