René Reifel, DMG-Missionar in der Seemannsmission in Rotterdam.
Schiffe kommen und gehen. Das gehört sich so. Der Handel auf den Weltmeeren muss weitergehen, sonst haben wir fast nichts mehr zu kaufen. Wenn ein Schiff zu lange bleibt, ist etwas faul. Nur eine Reparatur, oder doch ein Missstand, der die Mannschaft betrifft? Wege trennen sich bei uns täglich. Die Einen kommen, wie bei einer Buslinie, immer wieder zurück. Andere sieht man vielleicht nur einmal. Doch auch die Linienfahrer fliegen irgendwann nach Hause und kommen oft auf ein anderes Schiff zurück. So auch bei John*. Jede Woche war er hier. Auf einem hektischen Containerschiff. Wir hatten nur wirklich Zeit, weil er Am Eingang vom Schiff Wache halten musste. Bei Wind und Wetter. Das erste Mal habe ich ihn vor mehr als 5 Jahren gesehen. Damals war er schon interessiert an der Bibel. Auf einmal war Schluss. Er flog heim und wollte einfach nicht mehr. Das Leben auf See hat ihn zermürbt. Dann wurde das Geld knapp und er kam wieder. Ich traute meinen Augen kaum. John ist schon mitten in seinem Vertrag, als ich ihn in Rotterdam auf einem Schiff entdecke. Er erinnerte sich an die tiefen Glaubensgespräche die Jahre davor. Dann teilt er mit mir: „jedes Mal, wenn ich die Bibel lese, fühle ich mich mehr schuldig.“ Das passiert, wenn man einem heiligen Gott begegnet. Das ist normal und sollte uns zum Kreuz treiben. Dort findet man Vergebung und kann zusammen mit Jesus neu anfangen.
Ich biete ihm an, das Johannesevangelium mit ihm zu studieren. Fast jede Woche können wir während seiner Wacht die Bibel lesen. Das ist natürlich außergewöhnlich. Nach 9 Monaten ist sein Zeitvertrag wieder erfüllt und er steigt ins Flugzeug. Wir sind bis Johannes 3 gekommen. Weil Gott die Welt liebt, sendet er seinen Sohn, sodass wir ewiges Leben haben dürfen.
Die Route war wieder knüppelhart. Er sucht sich ein Schiff mit einer anderen Route: Karibik. Vielleicht sehe ich ihn nie wieder. Zuhause beten seine Frau und Schwiegermutter für ihn. Ob er die Gute Nachricht glauben kann?…
Paulus kennt auch Trennungsschmerz. Im ersten Brief an Timotheus lesen wir, dass er sein Kind im Glauben in Ephesus zurücklässt 1Tim1,2-3. Wie viele Kilometer haben die Beiden schon zusammen zurückgelegt?! Sie haben viel zusammen erlebt – schönes und schlimmes. Aber es ist notwendig, weil die Gemeinde in Ephesus Hilfe braucht. Timotheus ist bereit, Irrlehrern die Stirn zu bieten z.B. 1Tim 1,3-11. Alles, was der gesunden Lehre widerspricht, bringt unnötige Unruhe und Streit hervor. Oft beginnt es schleichend – wird aber schwerwiegend, weil die gesunde Lehre des Evangeliums irgendwann auch angegriffen wird. Wer zu Gottes Wort dazu dichtet, oder es untergräbt, macht oft auch die Gute Botschaft kaputt. Es war also aus Liebe, dass Timotheus manche Leute stoppt und die gesunde Lehre von Gottes Evangelium rein hält. In Offenbarung 2 lesen wir, was später aus der Gemeinde in Ephesus geworden ist. Sie haben die gesunde Lehre standhaft beschützt. Nur leider haben sie die erste Liebe verlassen. Betet für eure Gemeinde, dass sie klar zum Evangelium der Bibel stehen kann und die Liebe Gottes ohne faule Kompromisse dem Nächsten zeigen kann.
*Name geändert