Buchbesprechung zum Buch von Claudia Währisch-Oblau (HG.) Neukirchner Verlag
„Mission – geht´s noch“ ein doppeldeutiger Titel. Der eine Gedanke: Geht´s noch – wie kann man nur? Der andere Gedanke: Geht´s noch – kann das heute noch funktionieren. In ihrem Buch beschäftigt sich Claudia Währisch-Oblau mit fragen nach einer postkolonialen Perspektive von Mission. Dabei kommen auch verschiedene Autor*innen aus ganz unterschiedlichen Bereichen der Welt zu Wort.
Die schwierige Vergangenheit von „Mission“ wird beleuchtet. Genauso, wie das „Erbe“ das heute noch in manchen Ausdrucksformen von Mission gelebt wird. Ein Verständnis von Mission, die vom reichen Norden in den Süden geht. Währisch-Oblau weitet den Blick auf eine Mission, die eine Bewegung von Menschen überall auf der Welt ist.
• So könnte Mission vom Norden in den Süden nie funktioniert, wenn nicht einheimische Mitarbeitende einen wesentlichen Teil getragen hätten. Das gilt in der Vergangenheit wie auch heute.
• Ein Blick wird darauf geworfen, wie Menschen, die aus allen Teilen der Welt nach Deutschland kommen, hier Mission leben. Eine Mission, die von „unseren“ Kirchen kaum wahrgenommen wird.
• Es werden Ansätze beleuchtet, welche Formen von Mission als Ausdrucksform von Kirche in Deutschland sinnvoll sein können.
Eine Auslegung des sogenannten Missionsbefehl aus dem Matthäusevangelium finde ich sehr ansprechend: Die Jünger wissen nicht alles – sie laden ein gemeinsam zu lernen und darin mit der Gegenwart Christi zu rechnen.
Wie wird Mission heute gelebt? Entwicklungshilfe, Ernährungssicherung, Gesundheitsprogramme, soziale Arbeit – im Ausland und im Inland. Aber da war doch noch was – die geistliche Komponente. „Heilt Kranke und treibt Dämonen aus“ (Matth 10, 8), sagt Jesus zu seinen Jüngern. Für einen aufgeklärte Gesellschaft schwer zu begreifen. Durch Beispiele aus der Praxis wird beleuchtet, wie diese spirituelle Ausprägung Mission bereichert, zu der wir vielleicht wenig Zugang haben.
Ein Buch, das mich an verschiedenen Stellen zum Nachdenken anregt. Vor allem auch, wenn ich daran denke, wie wir als Gemeinden sensibel in unserer Nachbarschaft „missionieren“ wollen.
Christoph Landes