In Menschen Gott begegnen

Jeder Mensch ist in Gottes Ebenbild geschaffen. Verschiedene Persönlichkeiten spiegeln verschiedene Facetten Gottes wieder. Je mehr wir uns auf echte Begegnungen mit anderen Menschen einlassen desto mehr erahnen wir, wie und wer Gott ist. Das Gleiche gilt für unterschiedliche Kulturen. Ich glaube, dass Gott verschiedene Teile seines Wesens in verschiedene Kulturen hineingelegt hat. Ein guter Freund von mir hat einmal mit folgendem Satz den Dienst der Mission zusammen gefasst: „Missionare sind Menschen, die in andere Kulturen gehen, um dort Gott zu suchen und zu begegnen.“

files/dmmk/Mediathek/Suedostastien_Filter.jpgDieser Satz bewahrheitet sich in unserem Dienst immer wieder. Wir haben uns darauf eingelassen, in einer fremden Kultur und in fremden Menschen, sein Ebenbild zu suchen. Die Erfahrung, die wir dabei regelmäßig machen ist, dass wir Gott wirklich in der Begegnung mit Kultur und Menschen finden.

Allein wie hier Begegnung geschieht, ist von Anfang an für uns ein leuchtendes Beispiel von gelebter Gemeinschaft. Schon die Begrüßung beinhaltet die Frage „Hast du schon Reis gegessen?“ Sie lädt ein, Leben zu teilen. Es ist wirklich so, dass jeder zu jederzeit diese Frage wörtlich nehmen kann und sich zu der schon essenden Gesellschaft auf die Reismatte am Boden dazu setzen kann. Ein außenstehender Beobachter würde meinen, dass die Menschen, die hier gemeinsam essen, langjährige Freunde sind, die ein langersehntes Wiedersehen feiern.

Als wir den Pastor unserer Partnergemeinde im Nachbarland nach seinen Beobachtungen von kulturellen Unterschieden gefragt haben, hat er uns geantwortet: „Ich habe diesen Menschen hier nichts beizubringen über Beziehungen bauen, es ist unglaublich wie natürlich hier in diesem Land Begegnung stattfindet. Ich bin hier der Lernende.“ Er kommt mittlerweile einmal im Monat zu TerraClear, um unsere „Geldeinsammler“ zu betreuen und zu coachen.

Wir fanden es interessant, dass unser Landesnachbar denselben ersten Eindruck hatte wie wir aus einer westlichen Kultur seit 6 ½ Jahren. Oft dachten wir, dass es wohl ein generelles südostasiatisches Merkmal ist, merken jedoch immer mehr, dass durch Gemeinschaft und Begegnung in unserem Gastland eine Facette von Seinem Ebenbild wiedergespiegelt wird.

Die Begegnung mit der Facette von Gottes Ebenbild in unserem Gastland lehrt uns viel. Es ist ein tröstendes Zeichen seiner Gegenwart inmitten einer leidenden Welt. Unsere „Geldeinsammler“ sind Ausdruck dieses Ebenbilds. Wenn sie ein Haus betreten sind sie wie Familienmitglieder, sie kümmern sich nicht nur darum, dass die Rate für den Filter bezahlt wird. Sie bringen auch Zeit mit. Zeit für Begegnung, Zeit um Geschichten zu hören, um für eine Weile Leben zu teilen und Lasten mitzutragen.

files/dmmk/Mediathek/Pirates_kids.jpgAls Familie lassen wir uns gemeinsam bewusst darauf ein, in Begegnungen mit Menschen, Gott zu begegnen, Facette seines Ebenbilds in jedem Menschen zu suchen. Unser Sohn August stellt momentan viele tiefe Fragen. Eine Frage, die immer wieder kommt, ist „warum kann ich Gott nicht sehen? Ich will ihn sehen!“ Wir nehmen uns Zeit dafür mit ihm darüber zu reden und zu erklären, dass er Gott in anderen Menschen sehen kann, dass Gott verschiedene Facetten von sich in uns Menschen hineingelegt hat und wir ihn in Begegnungen sehen können, wenn wir bewusst darauf achten und danach suchen. Das Lied „Gott ist da wo Menschen leben, lieben, dienen, lachen, hoffen, …“ ist zu einem unserer Familienlieblingslieder geworden. Unsere Kinder fangen mittlerweile damit an, eigenen Strophen dazu zu dichten, z.B. essen, spielen, etc.

Oft werden wir gefragt, warum wir hier sein wollen, wo wir doch aus dem Westen sind? Warum wir unsere Kinder mit einheimischen Kindern spielen lassen? Oder warum wir es unseren lokalen Nachbarn erlauben unsere Kinder zu halten? Ein wunderbarer Anknüpfungspunkt darüber zu sprechen, dass wir vor Gott alle gleich sind – wertvoll und geliebt. Begegnung geschieht, Feindbilder werden ganz natürlich abgebaut und stattdessen werden Brücken gebaut. Brücken auf denen getanzt, gespielt, gelacht und geweint wird.

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Frauen sitzen hier abends oft zusammen, massieren sich, pflücken sich gegenseitig die grauen Haare vom Kopf und zupfen sich sogar gegenseitig die Achselhaare. In diesen nahen Begegnungen wird erzählt und gelacht, die Anspannung vom Tag fällt ab, Schweres wird gemeinsam getragen. Wenn ich mich öffne und erzähle was mir an dem Tag schwer gefallen ist, z.B. mit den Kindern, erlebe ich wie die Mauern fallen und wir auf einmal alle gleich sind. Unter Tränen hat mir eine der Frauen einmal gesagt „ich wusste nicht, dass eine weiße Mutter die gleichen Gefühle haben kann wie eine asiatische Mutter.“ 

Genau in diesem Eins werden von uns Menschen ist Gott gegenwärtig. Je mehr wir uns selbst zurücklassen und uns einlassen auf die Begegnung mit Menschen und Kultur hier vor Ort, umso lebendiger und vielfältiger wird Gott. Das ist unsere Erfahrung als Missionare, als Menschen, die Gott in einer anderen Kultur suchen.

Begegnung ist zentral für unseren Glauben, denn ist dies nicht das Wunder des Evangeliums, dass Gott Mensch geworden ist, um uns zu begegnen?